Flashback

Sagste, sag ich, ja, sagt sie, und erzählt von Mann und Kind und hin und her, sie ist schön, denk ich, nippe an meinem Tee, und plötzlich dieses Flimmern, ich erkenn sie kaum noch, zwinkere mit den Augen, während sie weitererzählt, jetzt von den Leuten, und dass ich zart sei, und ich kann mich nicht mehr konzentrieren, es flimmert hübsch regenbogenfarben, vielleicht liegt es am zu harten Training gestern, oder der Kellner hat mir was in den Tee getan.

Das muss es sein. Der Kellner hat mir LSD in den Tee geträufelt. Ich zerfließe, während sie weiter tratscht, immer noch von den Leuten, die nach mir fragen würden, die Bürger sollen alle mal schön Pilze futtern, sag ich, Pilze als Schulfach, das wär wichtig, dann wär einiges anders, ich bin mir sicher und lache laut, bin insgeheim breit wie ’ne Natter, sie geht zur Toilette.

Ich häng seitdem im Stuhl, kipple wie früher in der Schule, man verplempert Jahre auf so Stühlen, meldet sich, wenn man was sagen soll, schweigt ansonsten, ich starre aus dem Schaufenster des Cafés in mich rein, übelster Trip, was ist hier los, ich will nach Hause, dabei hab ich noch nie LDS genommen, meine Innerlichkeit stömt aus allen Poren, verteilt sich im Raum, die Adern gehen auseinander, Erinnerungen tröpfeln wie Schweiß von der Decke und wieder in mich rein, ich richte mich schlagartig auf, packe das rechte Bein auf den linken Oberschenkel, draußen ist kontrastlos Grau, ist Prenzlauer Berg, der Zeitungsleser ist auch drauf und verlässt das Café als Amöbe, die Bloggerin spitzt ihre grell geschminkten Lippen und hackt meine Gedanken in ein MacBook, der Koch heißt Lehmann und futtert am Angestellten-Tisch meine Innerlichkeit, sie setzt sich wieder zu mir, hat sich schön gemacht, duftet nach Vanille und Familienleben, ich richte mich ruckartig auf, zieh meine Schulterblätter zusammen, stoß mit dem Knie an den Tisch.

Ob ich auch noch was trinken will, nee, ich bin nicht sicher (seit wann bin ich denn nicht mehr sicher), doch, ich nehm noch ’nen Tee, ’nen Tee, fragt sie, sie könnt jetzt nicht noch ’nen Tee trinken, doch, warum nicht, ich trink nur vormittags Kaffee, oder nehm ich doch ’nen Kaffee, um wieder runterzukommen, ich weiß es nicht. Der Kellner stellt mir den zweiten Tee hin, danke dir, das sag ich besonders deutlich, seh immer noch bunte Sternchen & Konfetti, tunke den Beutel ins heiße Wasser, es geht um die Leute, die schon lange nicht mehr die Leute sind, sondern Fremde, ganz normale Fremde, sicher nett, aber uninteressant, lass uns über den Wahnsinn reden. Ich tu den heißen Beutel auf die Untertasse und quetsch ihn bisschen, nehm einen Schluck vom Tee; alles tutti. Ich bin nicht „zart“.