Homöostase

Die Abendsonne streichelt einem infrarot den Kopf, es gibt hier Gänsehaut. Die Leute frieren, sie rauchen Pueblo Tabak, trinken Club Mate und essen bald Chlor­hühnchen. Sie tragen Daunenjacken auf, Sonnen­brillen von Ray-Ban, enge Jeans, und während sie reden, während sie bibbern, starrt man ihnen auf die gelben Zähne. Es sind kalte Leute, ihre Körper sind kalt, kalt und trocken, man sieht’s auch an den blau schimmernden, dünnen Lippen. Man möchte sie umarmen, wärmen, hat aber nur so und so viel Wärme zur Verfügung, die reicht nicht für alle. Die Leute haben Bedarf an dicken Jacken, Öfen, Boilern. Ihre Mitochondrien werden mit Kohle geheizt, verursachen diesen Smog in ihren Köpfen, es gibt wenig Herzfrequenzvariabilität, kaum Redoxpotential. Durch ihre Adern plätschert rostiges Blut. Es sind keine schlechten Menschen. Keine schlechten Menschen. Sie sind sogar sehr gastfreund­lich, manchmal lachen sie hysterisch, wollen, dass man von ihren Joints raucht, von ihrer Cola trinkt.

Das Universum möchte dann eine Homöostase herstellen, möchte die Gesetze der Thermodynamik zur Anwendung bringen. Die Körper der Leute, mein Körper, unsere Atome und Moleküle wollen harmonieren. Die Frequenz meines Herzschlags variiert weniger von Schlag zu Schlag, es gibt hier Gänsehaut sowie diverse Temperaturfronten. Ein Tornado droht auf­zuziehen, es ist an der Zeit, zu fliehen, man will die soziale Homöostase nicht weiter stören, man muss ein wenig meditieren. Ein knusprig gebackenes Chlorhühnchen flattert einsam der untergehenden Sonne entgegen.