Warschauer Straße

Warschauer stinkt nach Diesel, nach Deo, nach Krieg, am S-Bahnhof werd ich vom Feierabend umgerannt, ich seh Sterni und Punks, dann die Fotoautomaten und die schwarzen Dudes, ein Hauch Suicide Circus, an einer Bushaltestelle sitzt ein lächelnder Bürger auf dem Asphalt und wartet drauf, dass man Münzen einwirft, eine Horde Skater brettert über meine Membranae tympani, weiter vorne der Bücherladen ist nun Lesecafé, Hipster und MacBooks, andere Straßenseite: 1 Waschsalon, und schräg gegenüber der Waschmaschinenladen mit Mops, Stück zurück noch mehr Hipster und Schaulaufen, Höhe Kopernikusstraße duftet es nach Kartoffeln und Rotkraut und Gulasch, ahh … Heimat. Frankfurter Tor war einst 1 McDonalds, mitten auf der Straße 1 kleinwüchsiger Punk putzt Scheiben, mit dem Fahrrad durch die Warschauer ist voll die Qual. Alles in Berlin ist voll die Qual. Zurück zur Brücke: Sonnenuntergänge, Sonnenaufgänge, Drecks-Himmel, Mikrowellen-Fernsehturm, Berghain-Psychose, Ostbahnhof ohne Maria, der U-Bahnhof Warschauer, Bürger pulsieren rein und raus, Live-Musik, ich hocke auf dem Brückengeländer wie ein Vogel und warte drauf, dass jemand durchs nächste Bild steuert und ich sie alle abshooten kann.