Grundlagen Typografie und Zeichensetzung

Lernen Sie in aller Kürze wichtige gestalterische Grundlagen für Dissertationen und alles, was Sie über Typografie und Zeichensetzung in wissenschaftlichen Arbeiten wissen sollten. Um die Übersicht kurz zu halten, verzichte ich im häufig darauf, bestimmte Aussagen zu begründen; bitte fassen Sie daher alles, was Sie hier lesen, als Empfehlung auf (etwa meine Tipps zur Wahl der Schriftart).

Voraussetzungen: keine Voraussetzungen
Inhalt: Zielsetzung der Layoutgestaltung, Typografische Prinzipien, Seitenformat und Satzspiegel für Dissertationen, Paginierung, Schriftart und Schriftgröße, Zeilenabstand in Abschlussarbeiten, Abstände vor und nach, Einzüge, Tabulatoren, Textausrichtung, Überschriften und Gliederung, Umbrüche, Schusterjungen/Hurenkinder, Text auszeichnen, Aufzählungen, Geschützte Leerzeichen, Anführungszeichen, Apostrophe, Punkte, Striche, Tabellen formatieren, Abbildungen gestalten, Download Checkliste, Literatur, Links, Fragen, Support, Diskussion

Zielsetzung der Layoutgestaltung

Mit der Layoutgestaltung Ihrer Dissertation verfolgen Sie hauptsächlich diese beiden Ziele:

  • Sie möchten Ihre Doktorarbeit druckbar und druckfertig machen;
  • Sie möchten dem Leser Ihrer Arbeit sowohl intensives Lesen als auch das Überfliegen des Textes (scannen) erleichtern;

Verschiedene Prinzipien, Elemente und Werkzeuge helfen Ihnen dabei, diese Ziele zu erreichen, das Textbild Ihrer Dissertation zu harmonisieren und ein ruhiges, augenfreundliches Textbild zu erzeugen.

Typografische Prinzipien

Ausrichtung TypografieAls Elemente bezeichne ich im Folgenden „Container“ innerhalb Ihrer Arbeit, die Text oder Bild beinhalten. Elemente sind Absätze, Aufzählungen, Abbildungen, Tabellen, Kopfzeilen und dergleichen – aber auch die Seite an sich ist ein typografisches Element. Das Arrangement all dieser Elemente ergibt das Satzbild. 

Attribute sind Eigenschaften, die einzelnen Elementen zugewiesen werden: Schriftgröße und Schriftart, Ausrichtung oder Abstände etwa.

Die folgenden Prinzipien sind  teilweise dem Buch Design & Typografie von Robin Williams (München 2008, S. 13) entnommen. Aus ihnen leiten sich viele weiteren Regeln typografischer Gestaltung ab.

  • Einzelne Elemente im Satz werden nicht zufällig mal hier, mal da platziert, sondern aneinander ausgerichtet. Die Abbildung zeigt, wie Einzüge und Tabulatoren an einer unsichtbaren Linie ausgerichtet werden, um das Textbild zu harmonisieren.
  • Zugehörige Elemente werden dicht aneinander angeordnet. Überschriften beispielsweise stehen näher am folgenden Absatz als am Absatz davor.
  • Verwenden Sie so wenig verschiedene Elemente und Attribute wie möglich, so viel wie nötig, um den Satz ruhig wirken zu lassen.
  • Moderner Satz trennt Layout und Text konsequent voneinander. Das ermöglicht ein sehr flexibles und einfach zu änderndes Layout und erfordert die konsequente Nutzung von Absatz- und Zeichenformatvorlagen (mehr dazu im Abschnitt Word-Grundlagen).

Weitere Prinzipien: Einzelne visuelle Elemente werden im gesamten Satz wiederholt und einheitlich formatiert (etwa Tabellen). Kontraste helfen dem Leser dabei, Elemente voneinander zu unterscheiden (etwa durch unterschiedliche Schriftgrößen oder Auszeichnungen). Weißraum/unbedruckte Fläche lockert die Gestaltung auf und lässt den Satz weniger gedrängt und ruhiger wirken.

Seitenformat und Satzspiegel für Dissertationen

Das Seitenformat Ihrer Abschlussarbeit wird möglicherweise vorgegeben, etwa durch die Fakultät. Genaue Angaben sind auch abhängig davon, ob Sie für einseitigen Druck (also für die Abgabe an der Uni) oder für doppelseiten Buchdruck formatieren. 

Für dem einseitigen Druck verwenden Sie in der Regel das A4-Hochformat sowie (stark vereinfachend) Seitenränder von 

  • oben 2,5 cm, 
  • unten 2 cm,
  • links 3 cm,
  • rechts 3 cm.

Kopf- und Fußzeile stehen je 1,25 cm vom Seitenrand ab. 

Für die Druckvorlage beim doppelseitigen Buchdruck werden Satzspiegel und Seitenformat meist vom Verlag vorgegeben. Beispiel für einen ganz einfachen Satzspiegel: Seitenformat ebenfalls A4 (der Verlag verkleinert dann häufig selbst auf A5), Seitenränder je 2,5 cm, Bundsteg 0cm. 

Paginierung

Seitenzahlen sollten am äußeren Seitenrand Ihrer Dissertation positioniert werden, das erleichtert dem Leser das Auffinden bestimmter Seiten beim Durchblättern. Nutzen Sie die Kopfzeile für die Paginierung. 

Sämtliche Seiten bis zur ersten Seite des Haupttextes werden nicht paginiert oder erhalten eine Paginierung mit römischen Zahlen (das Titel­blatt wird nicht mitgezählt). Paginieren Sie mit römischen Zahlen nur dann, wenn ihr Manuskript vor dem Haupttext besonders umfangreich ist und der Leser eine zusätzliche Orientierung benötigt.

Von der ersten Seite des Haupttextes an wird mit arabischen Zahlen ab S.  1 gezählt. Das Vorwort zählt noch nicht zum Haupttext.

Schriftart und Schriftgröße

Schriftart DoktorarbeitBei Schriftarten wird in typografischer Hinsicht unterschieden zwischen Schriften mit und ohne so genannte „Serifen“. Serifen sind feine Linien, die eine Schrift quer zu ihrer Grundrichtung abschließen können und das Lesen auf dem Papier erleichtern. Für das Lesen am Monitor eignen sich eher Schriften ohne Serifen. Für Ihre Dissertation empfieht sich eine dieser drei Schriftarten:

  • Times: Serifenschriftart, wird am häufigsten verwendet;
  • Arial: ohne Serifen, wird hin und wieder bei Dissertationen etwa im Bereich der Medizin verwendet; ich rate davon ab, Arial für den Druck zu verwenden;
  • Garamond: sehr schöne, edle Serifenschriftart, eignet sich insbesondere für den Buchdruck und bei Dissertationen im Bereich der Geisteswissenschaften.

Gibt es keine Vorgaben vonseiten Ihrer Fakultät oder vonseiten des Verlages, nutzen Sie die Schriftart Times New Roman. 

Die Schriftgröße bzw. der Schriftgrad wird meist in pt (Point/Punkt) angegeben. Verwenden Sie in Ihrem Manuskript so wenig wie möglich unterschiedliche Schriftgrößen – drei bis vier Schriftgrößen reichen in der Regel aus. 

Die folgende Tabelle macht Ihnen Vorschläge für Schriftgrößen in Ihrer Dissertation. Für den Buchdruck setzen Sie in der Regel alles 2 Punkt größer (zumindest dann, wenn Sie A4 formatieren); der Verlag wird Ihnen genaue Vorgaben machen.

TextelementTimes New RomanArialGaramond
Überschrift 1 16 pt 15 pt 17 pt
Überschrift 2 14 pt 13 pt 15 pt
Überschrift 3 12 pt 10 pt 13 pt
Überschrift 4 12 pt 11 pt 13 pt
Fließtext, Absätze, Zitate etc. 12 pt 11 pt 13 pt
Beschriftungen  10 pt 9 pt 11 pt
Fußnoten, Kopfzeilen  10  pt 9 pt 11 pt
Tabellen  10 pt 11 pt 13 pt

Alle Elemente, die in der Tabelle nicht aufgeführt sind, formatieren Sie möglichst in der Größe des Fließtextes – Zitate, Aufzählungen usw. auch in der normalen Textgröße. Die Schriftgröße innerhalb von Tabellen können Sie auch in normaler Große wie den Fließtext setzen, falls Ihre Tabellen nicht sehr umfangreich sind. Bei umfangreichen Tabellen setzen Sie die Schriftgröße in den Zelln wie bei den Fußnoten (meist also 10 pt), im Kopf wie im Fließtext (12 pt).

Zeilenabstand in Abschlussarbeiten

Für Ihre Seminararbeiten hatten Sie wahrscheinlich immer die Vorgabe, einen Zeilenabastand des 1,5-fachen der Schriftgröße zu setzen. Falls Sie für Ihre Dissertation keine Vorgabe von Ihrer Fakultät haben, nutzen Sie bitte vereinfachend durchgehend für sämtliche Elemente einen Zeilenabstand von 120 % (bei einer Schriftgröße von 12 pt wären das also exakt 14,4 pt).

Abstände vor und nach

Die Abstände vor und nach einzelnen Elementen sind eine Wissenschaft für sich. Generell gilt, dass zusammengehörige Elemente immer zusammen gruppiert werden sollen; ein Abstand vor einer Überschrift ist also größer, als der Abstand danach, um zu signalisieren, dass die Überschrift zum Absatz gehört. Um es nicht zu kompliziert zu machen, im Folgenden einige Empfehlungen.

  • Ein Abstand davor oder danach richtet sich immer nach dem Zeilenabstand, bei Schriftgröße 12 und Zeilenabstand 1,2 entspricht ein Abstand von einer ganzen Zeile also 14,4 pt. Wollen Sie zwei Zeilen Abstand einrichten, legen Sie den Abstand vor oder nach entsprechend auf 28,8 pt fest.
  • Nach Absätzen kommt eigentlich kein Abstand zum nächsten Absatz; dafür haben Absätze einen Einzug in der ersten Zeile. (Im englischen Sprachraum bzw. in der englischen Typografie ist der Abstand nach einem Satz allerdings verbreitet; ebenso ist er im Internet/auf Bildschirmtexten üblich. Falls Sie unbedingt einen Abstand nach Absätzen verwenden möchten, nutzen Sie eine ganze Zeile. Bei einer Schriftgröße von 12 pt und einem Zeilenabstand von 14,4 pt nutzen Sie also einen Abstand nach von 14,4 pt.) 
  • Richten Sie bei Überschriften jeweils zwei Zeilen davor und eine Zeile danach ein. Überschriften, die auf einer neuen Seite beginnen, bekommen keinen Abstand davor. Bei aufeinanderfolgenden Überschriften lassen Sie bei der unteren Überschrift den Abstand vor weg.

Einzüge

einzuege dissertation thumb

Einzüge helfen dem Leser dabei, neue Sinneinheiten zu erkennen, den Text zu überfliegen. Nutzen Sie Einzüge spärlich, um ein ruhiges Textbild zu gewährleisten. Grob und für Ihre Zwecke ausreichend unterscheiden lässt sich zwischen hängenden Einzügen (der Einzug von der zweiten Zeile an) sowie Einzügen erste Zeile.

Folgende Einzüge empfehle ich.

  • Anstelle von Abständen nach Absätzen nutzen Sie bitte Einzüge. Dabei erhält lediglich die erste Zeile einen Einzug, etwa von 1,25 cm. Die jeweils ersten Absätze nach Überschriften, Abbildungen, Zitaten usw. erhalten keinen Einzug (wozu auch, der Leser erkennt sie auch so als neuen Absatz).
  • Word formatiert Aufzählungen normalerweise mit Einzügen erste Zeile. Weg damit! Ein extra Einzug zusätzlich zu den Aufzählungszeichen ist nicht notwendig, sondern vermittelt Unruhe im Textbild.
  • Zitate können Sie komplett einrücken, also nicht nur die erste Zeile, sondern den gesamten Absatz. 1,25 cm Einzug ist völlig ausreichend.
    Pro-Tipp: Ziehen Sie die erste Zeile ein wenig nach links, etwa 0,1cm, damit das Anführungszeichen des Zitates ein kleines bisschen „heraushängt“.  Sie erreichen das durch einen Einzug erste Zeile von 1,15 cm in Kombination mit einem hängenden Einzug von 0,1 cm.

Tabulatoren

Tabulatoren, kurz Tabs, regeln Abstände im Text, ähnlich wie Einzüge. Nutzen Sie Tabulatoren anstelle von mehreren Leerzeichen, um Text punktgenau auszurichten. Machen Sie sich mit dem Konzept von Tabulatoren vertraut, um ihre Dissertation problemlos und professionell zu formatieren.

Vorschläge für Tabulatoren:

  • Überschriften: Zwischen Nummerierung und Überschrift steht ein Tab, vorgeschlagene Größe 1,25 cm;
  • Kopfzeile: Zwischen der Überschrift und der Seitenzahl steht ein rechtsbündiger Tab, der die Zahl exakt rechts ausrichtet;
  • Aufzählungen: zwischen Gedankenstrich und Text steht ein Tab, Vorschlag 1,25 cm;
  • Fußnoten: zwischen Fußnotenzahl und Text steht ein Tab, Vorschlag 1,25 cm;
  • Inhaltsverzeichnis: Zwischen Gliederungspunkt und Seitenzahl steht ein rechtsbündiger Tab, der die Seitenzahl exakt rechts ausrichtet (und den Leerraum mit Pünktchen füllt).

Textausrichtung

Bei der Ausrichtung des Textes wählen Sie in aller Regel zwischen Blocksatz, so genanntem Flattersatz und zentrierter Ausrichtung. Meine Empfehlung:

  • Absätze: Blocksatz, klar;
  • Fußnoten: Blocksatz;
  • Zitate: Blocksatz;
  • Überschriften: Flattersatz;
  • Text in Tabellen: Flattersatz;
  • Aufzählungen: Flattersatz;
  • Abbildungen nebst Beschriftung: zentriert.

Wichtig: Damit im Blocksatz nicht stellenweise zu große Lücken in das Textbild gerissen werden, nutzen Sie die Silbentrennung. Bevor Sie eine Druckdatei erstellen, sollten Sie die Silbentrennung genau überprüfen und ggf. auch stellenweise manuell trennen. Die Silben im Flattersatz werden nicht getrennt.

Überschriften und Gliederung

Entscheiden Sie sich für ein einfaches Gliederungssystem. Meine Empfehlung:

  • 1 Überschrift erster Ordnung
  • 1.1Überschrift zweiter
  • 1.1.1 Überschrift dritter Ordnung

Entscheiden Sie sich außerdem dafür, nach der Zahl einen Punkt zu setzen oder nicht und ziehen Sie Ihre Entscheidung für sämtliche Überschriften konsequent durch.

Vermeiden Sie eine Gliederungstiefe größer drei, das macht den Text unübersichtlich für Leser. Um noch weiter zu untergliedern, können Sie ggf. Zwischenüberschriften oder so genannte Spitzmarken verwenden (eine Spitzmarke ist ein Schlagwort bzw. die Überschrift am Anfang eines Absatzes, gefolgt von einem Doppelpunkt oder einem Punkt; kann kursiv gesetzt werden).

Regeln für die Formatierung von Überschriften:

  • Zwischen Gliederungspunkt und Überschrift steht ein Tabulator (mehr zu Tabulatoren weiter unten im Text). Vorschlag: 1,25 cm.
  • Überschriften erhalten einen hängenden Einzug, der dem Tabulator entspricht (Vorschlag 1,25 cm).
  • Überschriften stehen ohne Punkt als Satzzeichen, jedoch Frage- oder Ausrufezeichen.
  • Setzen Sie Überschriften nicht fett, das macht den Satz hässlich! Stattdessen variieren Sie die Schriftgröße. Die Tabelle unten macht Ihnen einen Vorschlag für Schriftgrößen und Abstände Ihrer Überschriften.
  • Überschriften werden links im Flattersatz ausgerichtet. Blocksatz würde besonders lange Überschriften hässlich auseinanderziehen; vermeiden Sie lange Überschriften, sollten eine Überschrift mehr als eine Zeile einnehmen: sorgen Sie dafür, dass die nächste Zeile aus mehr als einem Wort besteht, und dass nach etwa 70 % Zeilenlänge umgebrochen wird. Setzen Sie ggf. einen Zeilenumbruch. 
  • Zeilenabstand sollte immer 1,2-fach sein (bzw. genauso wie der Fließtext).
  • Überschriften sind immer näher am Folgeabsatz ausgerichtet als am vorhergehenden; der Abstand davor ist entsprechend größer als der Abstand danach; steht die Überschrift am Seitenanfang, gibt es keinen Abstand davor.
  • Folgen zwei Überschriften aufeinander, erhält die folgende keinen Abstand vor
  • Überschriften erhalten keine Silbentrennung.

Schriftgrößen und Auszeichnung von Überschriften im Überblick, bezogen auf eine Schriftgröße von 12pt im Fließtext:

ÜberschriftSchriftgrößeAbstand vorAbstand nachAuszeichnung
Erste Ordnung (immer neue Seite) 18 pt 0 pt 36 pt ohne
Zweite Ordnung 14 pt 33,6 pt 16,8 pt ohne
Dritte Ordnung 12 pt 14,4 pt 7,2 pt ohne
Vierte Ordnung 12 pt 14,4 pt 0 pt kursiv

Umbrüche

Einzelne Textelemente werden durch so genannte Umbrüche voneinander getrennt. Umbrüche, die Sie kennen sollten:

  • Absatzumbruch: wird in der Regel durch die Enter-Taste erzeugt und trennt Absätze voneinander. Als Steuerzeichen angezeigt durch ¶.
  • Zeilenumbruch: Falls Sie innerhalb eines Absatzes eine neue Zeile beginnen möchten, nutzen Sie den (so genannten weichen) Zeilenumbruch; wird in Word durch SHIFT+ENTER erzeugt-
  • Seitenumbruch: Um eine neue Seite zu beginnen, nutzen Sie nicht XX Leerzeilen, sondern einen Seitenumbruch. Ein Seitenumbruch steht etwa vor Überschriften erster Ordnung.
  • Abschnittsumbrüche: Abschnittsumbrüche werden in Word verwendet, um neue Abschnitte zu markieren; wichtig etwa für die Formatierung von Kopfzeilen.

Schusterjungen/Hurenkinder

Absatzkontrolle DissertationSchusterjungen und Hurenkinder sind Begriffe aus der Druckersprache und bezeichnen einzelne Zeilen von Absätzen am Anfang bzw. Ende einer Seite. Vermeiden Sie diese, sie würden Leser nur verwirren! In Word gibt es dafür die so genannte Absatzkontrolle, die versucht, Schusterjungen & Hurenkinder zu verhindern, indem sie Absätze zusammenhält. 

Für einen sauberen Satz muss ggf. hier und da auch ein Absatz gekürzt oder erweitert werden, um Schusterjungen und Hurenkinder zu beseitigen – Feinarbeit, die in der Regel ganz zum Schluss vor dem Erstellen der Druckdatei erledigt wird.

Text auszeichnen

Um Text auszuzeichnen, stehen Ihnen unter anderem diese Möglichkeiten zur Verfügung:

  • Fette Auszeichnung: Benutzen Sie diese nie! Nicht für Überschriften, nicht für den Fließtext, einfach nie. Fette Auszeichnung ist für Zeitschriften oder Bildschirmtexte oder die BILD-Zeitung vielleicht geeignet; Ihre Dissertation würde sie hässlich machen und unprofessionell wirken lassen.
  • Kursive Auszeichnung: Benutzen Sie diese anstelle der fetten Auszeichnung, aber spärlich! Für Überschriften (ab der 4. Ordnung etwa) ist die Kursivierung okay, auch im Fließtext, um bestimmte Wörter hervorzuheben, etwa fremdsprachige Wörter.  Falls ein Wort Gegenstand einer Beschreibung ist, wird es kursiv gesetzt, steht also nicht in Anführungszeichen. Beispiel: Das Wort kursiv besteht aus fünf Buchstaben.
  • Kapitälchen: Kapitälchen sind Großbuchstaben, deren Höhe der von Normalbuchstaben entspricht. Benutzen Sie diese nie! Nicht für die Namen von Autoren, nicht für Überschriften, einfach nie! Im professionellen Buchsatz können Kapitälchen verwendet werden, wenn die Schriftart diese zur Verfügung stellt, aber die meisten Schriftarten skalieren ihre Großbuchstaben einfach herunter, was im Druck hässlich und unprofessionell aussieht.

Sie sehen: Gelegentlich kursive Auszeichnung sollte Ihnen für Ihre Dissertation völlig ausreichen und für ein ruhiges, harmonisches Schriftbild sorgen. Textfarbe, fette Auszeichnung, Kapitälchen, Sperrungen usw. sind in der Regel nicht notwendig.

Aufzählungen

Aufzählungen lockern den Text auf und helfen dem Leser dabei, inhaltliche Sachverhalte schneller zu erfassen. Regeln für die Gestaltung von Aufzählungen:

  • Beginnen Sie Aufzählungen mit einem Gedankenstrich (–), nicht mit dem in Word voreingestellten Punkt. Alternativ nutzen Sie Zahlen oder Buchstaben.
  • Zwischen Gedankenstrich (oder Zahl) und dem Text steht ein Tabulator. Vorschlag: 1,25 cm.
  • Einzüge: Einzug erste Zeile 0 cm, Einzug hängend 1,25 cm.
  • Aufzählungen formatieren Sie im Flattersatz linksbündig. Falls Sie Aufzählungen mit sehr viel Text haben, können Sie auch Blocksatz formatieren; in der Regel sollten Sie größere Textblöcke aber eher durch Absätze und Überschriften unterteilen.

Geschützte Leerzeichen

Geschützte Leerzeichen sorgen dafür, dass bestimmte Wortgruppen oder Textteile zusammengehalten werden und nicht durch Zeilenumbrüche auseinandergerissen werden oder im Blocksatz einen zu hohen Abstand zueinander bekommen. Geschützte Leerzeichen setzen Sie auf jeden Fall bei folgenden Beispielen:

  • Seitenangaben: S. 13 ff.
  • Abkürzungen: Abkürzungen wie „z. B.“, „u. a.“ stehen immer mit geschützten Leerzeichen (nie ohne Leerzeichen!)
  • Prozentangaben: 13 %
  • Paragraphen: § 12, §§ 12–23
  • Maßeinheiten: 10 cm, 12 mm usw.
  • bei Anreden und Namen: Dr. Chris Wolf – nicht zwingend notwendig, aber empfohlen
  • Zeitangaben: 20. Juni, 21. Jahrhundert, 17 Jahre
  • Temperaturangaben: 100 °C, 95 °F
  • vor und ggf. nach Auslassungszeichen: „geschütztes …“

Nutzen Sie die Word-Funktion „Suchen und Ersetzen“, um vergessene geschützte Leerzeichnen aufzufinden. Suchen Sie etwa nach „z.B.“ und ersetzen Sie durch „z. B.“ (mit geschütztem Leerzeichen). Die Tastenkombination für ein geschütztes Leerzeichen lautet meist STRG+SHIFT+LEERTASTE. 

Pro-Tipp: Nutzen Sie so genannte „schmale geschützte Leerzeichen“ für Abkürzungen oder etwa, um Zahlen zu gruppieren: 13 000. 

Anführungszeichen

anfuehrungszeichen dissertation thumbAnführungszeichen sind einer der häufigsten typografischen Fehler in Dissertationen. Statt typografisch korrekter Anführungszeichen (etwa „ und “) werden oft Zolleichen (") und dergleichen verwendet.

Regeln: 

  • Nutzen Sie für Text in deutscher Sprache deutsche Anführungszeichen.
  • Längere Blockzitate in einer Fremdsprache können Sie mit den für diese Sprache typischen Anführungszeichen versehen (« und » etwa für französischen Text).
  • Für Zitate nutzen Sie immer doppelte Anführungszeichen, für Zitate innerhalb von Zitaten einfache.
  • Anführungszeichen werden auch genutzt bei Nennung von Überschriften, Werktiteln, Zeitungsnamen etc.
  • Falls ein Wort Gegenstand einer Beschreibung ist, wird es kursiv gesetzt, steht also nicht in Anführungszeichen. Beispiel: Das Wort Gänsefüßchen ist ein umgangssprachliches Synonym für das Wort Anführungszeichen.
  • Um ein Fremdwort zu übersetzen, werden in wissenschaftlichen Texten meist einfache Anführungszeichen genutzt. Beispiel: Das Wort Semantik, von altgriechisch sēmaínein ‚bezeichnen‘, ‚zum Zeichen gehörig‘, bezeichnet die Wissenschaft von der Bedeutung der Zeichen.

Übersicht über Anführungszeichen, die Sie in Ihrer Dissertation verwenden können:

SpracheZeichenErzeugung MacErzeugung Windows
Deutsch „…“
‚…‘
⌥+⇧+W und ⌥+2
⌥+S und ⌥+#
ALT+0132 und ALT+0147
ALT+0130 und ALT+0145
Englisch “…”
‘…’
⌥+2 und ⌥+⇧+2
⌥+# und ⌥+⇧+#
ALT+0147 und ALT+0148
ALT+0145 und ALT+0146
Französisch « … »
‹ … ›
⌥+Q und ⌥+⇧+Q
⌥+⇧+B und ⌥+⇧+N
ALT+0171 und ALT+0187
ALT+0139 und ALT+0155

Apostrophe

Wie Anführungszeichen werden auch Apostrophe häufig falsch gesetzt, nämlich in Form eines geraden Apostrophes (') oder durch die diakritischen Zeichen Akut (´) und Gravis (`). 

Ein korrekter Apostroph wird nicht nur Hochkomma genannt, sondern sieht auch aus wie ein höhergestelltes Komma: ’

In Windows wird er durch ALT+0146 erzeugt, im Mac OS mittels ⌥+⇧+#.

Punkte

Neben dem normalen Punkt, der einen Satz abschließt, gibt es noch das Auslassungszeichen (Ellipse), das aus drei Punkten besteht. Regeln:

  • Die Ellipse besteht nicht aus drei einzelnen Punkten (...), sondern wird als ein einzelnes Zeichen erzeugt (…), im Mac OS per ⌥+., in Windows per ALT+0133. 
  • Vor und nach der Ellipse steht ein (geschütztes) Leerzeichen, wenn sie für entfallene Wörter oder Satzteile steht. Steht sie vor einem Satzzeichen, ist kein Leerzeichen nötig. Beispiel: So eine …, ich weiß nicht mehr weiter. 
  • Das Leerzeichen entfällt, wenn die Ellipse ein Wortteil ersetzt. Beispiel: So eine Sch…, ich weiß nicht mehr weiter.
  • Folgt auf die Ellipse ein Punkt, entfällt dieser: Bsp.: Das Leben ist schön …
  • Auch in Klammern gehört eine Ellipse als einzelnes Zeichen: […].

Ersetzen Sie falsch gesetze Auslassungspunkte ggf. per Suchen und Ersetzen.

Striche

Striche werden in der Regel falsch gesetzt, oft wird lediglich ein normaler Bindestrich verwendet (-). Gute Typografie nutzt allerdings verschiedene Längen von Strichen. Wichtige Arten von Strichen, die Sie für Ihre Dissertation brauchen:

  • Bindestrich -: trennt Wortteile voneinander, Abkürzungen, Wortzusammensetzungen usw. Beispiel: Layout-Gestaltung, S-Bahn, Stand-by
  • Bis-Strich –: auch Gedankenstrich oder Halbgeviertstrich, etwas länger als der Bindestrich;
    wird verwendet für Einschübe – etwa auf diese Weise –, als Gegenstrich ähnlich wie ein Doppelpunkt oder auch als Auslassungszeichen.
    Gemäß seinem Namen Bis-Strich wird er auch für Bis-Angaben oder Gegen-Angaben verwendet: 1933–1945; Fußball Dortmund – München.
    Auch bei Geldbeträgen wird der Bis-Strich genutzt: 15,– Euro (achten Sie dabei auf ein geschütztes Leerzeichen).
    Ebenso Verwendung findet er bei Aufzählungen.
    Der Bis-Strich wird unter Mac OS via ⌥+-, unter Windows per STRG+- (Ziffernblock) erzeugt.
  • Geviertstrich —:  werden Sie für Ihre Dissertation eher selten brauchen; der Geviertstrich wird in der englischen Typografie als Gedankenstrich verwendet (The weather was fine—it did not rain). Auch als Gedankenstrich für Aufzählungen kann er verwendet werden. Erzeugung unter Mac OS mit ⌥+⇧+-, unter Windows mit ALT+0151.

Falsch gesetzte Striche in Ihrer Doktorarbeit können Sie nachträglich schnell per Suchen und Ersetzen ändern.

Tabellen formatieren

Tabelle DissertationTabellen können insbesondere für Anfänger eine Herausforderung darstellen, vor allem wenn die Dissertation sehr viele Tabellen verwendet. Vorschläge für die Formatierung von Tabellen in Ihrer Doktorarbeit:

  • Nutzen Sie ein einheitliches Layout für sämtliche Tabellen.
  • Schriftgröße: 12 pt (wie der Fließtext), wenn Sie nur wenige Tabellen im Text haben und diese nicht umfangreich sind. Ansonsten setzten die Schriftgröße der Fußnoten (10 pt).
  • Textausrichtung: Oben linksbündig, Flattersatz; die Kopfzeile können Sie auch linksbündig zentriert ausrichten.
  • Kopfzeile: Vermeiden Sie fette Auszeichnung; zeichnen Sie entweder kursiv aus oder richten Sie einen hellgrauen Hintergrund ein (etwa 5 %).
  • Nutzen Sie als Trennlinie sowie als Rahmen eine einfache Trennlinie von 0,5 pt. 
  • Bei sehr umfangreichen und unübersichtlichen Tabellen setzen Sie die Kopfzeile mit dunklerem grauen Hintergrund (15 %), die Zellen abwechselnd weiß und helles grau (5 %). Machen Sie das nur, wenn es nicht anders geht, und wenden Sie dieses Schema dann auf sämtliche Tabellen an.
  • Die Tabelle sollte möglichst auf die Seitenbreite gedehnt sein, wobei der Rahmen ein wenig über den Satzspiegel hinaus ragt, damit der Text der Tabelle und der Fließtext Ihres Manuskripts bündig sind. Ansonsten wird sie zentriert.
  • Achten Sie darauf, dass Zeilen und Spalten gleichmäßig verteilt werden.
  • Vermeiden Sie Tabellen, die sich über mehrere Seiten erstrecken. Sollte sich ein Seitenumbruch inmitten einer Tabelle nicht vermeiden lassen, nutzen Sie die Option „Kopfzeile wiederholen“.
  • Tabellen werden üblicherweise oberhalb beschriftet. Die Beschriftung steht der Tabelle näher als dem Text zuvor. Vorschlag: Beschriftung zentriert, Schriftgröße 10 pt, Abstand vor 31 pt, Abstand nach 16,6 pt. Die Beschriftung wird eingeleitet mit „Tab.“ oder „Tabelle“ (entscheiden Sie sich für eine Variante und verwenden Sie diese für das gesamte Manuskript, auch im Text), gefolgt von der Nummerierung, und schließt mit einem Punkt ab.  

Abbildungen gestalten

Abbildungen fügen Sie nach folgenden Regeln in das Manuskript Ihrer Dissertation ein:

  • Achten Sie auf eine gleichmäßige Breite (und ggf. Höhe) sämtlicher Abbildungen in Ihrer Doktorarbeit. Idealerweise ist die Abbildung so breit wie der Fließtext, streckt sich also über die gesamte Seite.
  • Zentrieren Sie die Abbildung. Lassen Sie die Abbildung nicht von Text umfließen.
  • Die Beschriftung befindet sich unterhalb der Abbildung, ebenfalls zentriert. Vorschlag: Schriftgröße 10 px, Abstand vor 16,6 pt, Abstand nach 31 pt. Die Beschriftung wird eingeleitet mit „Abb.“ oder „Abbildung“ (entscheiden Sie sich für eine Variante und verwenden Sie diese für das gesamte Manuskript, auch im Text), gefolgt von der Nummerierung, und schließt mit einem Punkt ab.

Download Checkliste

pdf 50Laden Sie diesen Text im PDF-Format herunter, die letzten beiden Seiten enthalten eine Checkliste Typografie. Sie enthält die wichtigsten Punkte in Bezug auf Typografie und Zeichensetzung, die Sie abarbeiten können, um Ihrer Dissertation ein professionelles Layout zu verpassen.

Literatur

  • typo-info.de: alphabetisches Glossar und inhaltlich strukturierter Kurs zu Schrift und Typografie
  • typolexikon.de: Lexikon der westeuropäischen Typographie, herausgegeben von Wolfgang Beinert 

Fragen, Support, Diskussion

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(Abbildung ganz oben: Daniel Ullrich/Flickr)